Flächenverbrauch

Jeden Tag verschwinden in Bayern 13 Hektar unter Asphalt und Beton. Wiesen, Wälder und Äcker fallen dem Bagger zum Opfer. Immer mehr Gewerbegebiete, Discountmärkte und Logistikzentren entstehen auf der grünen Wiese. Leider ist hier gerade unsere Region mit täglich

0,59 ha negative Spitze. Anstatt diesem fatalen Verlust unserer unvermehrbaren Ressource Boden entgegen zu wirken, beschleunigt die Bay. Staatsregierung (mit Hilfe von CSU, SPD und Freien Wählern) diese Entwicklung noch mit einer Änderung des „Landesentwicklungsprogramms“ (LEP). Durch die Lockerung des „Anbindegebotes“ werden bisherige „ökologische Leitplanken“ beseitigt. Auch davon ist unser Landkreis besonders betrofen: Das gegen Bevölkerung und Um- welt gleichermaßen gerichtete Fehlprojekt „Interfranken“ scheiterte vor Gericht u. a. an der fehlenden Anbindung an vorhandene Strukturen. Die Stadt Herrie- den plant derzeit Neuausweisungen von etwa 150 Hektar, auch in Feuchtwangen sollen „neue Fässer“ aufgemacht werden, um nur einige Beispiele zu nennen. 


Interfranken Gewerbegebiet

Foto: Oliver Rühl
Foto: Oliver Rühl

Im Landkreis Ansbach direkt am Autobahn Kreuz A6 / A7 Feuchtwangen / Crailsheim, soll nach dem Willen der Kommunalen Allianz "Interfranken" ein Großgewerbegebiet mit einer Größe von bis zu 240 ha ausgewiesen werden.

Albtraum Interfranken

Entgegen allen fundierten Bedenken, Rückschlägen und enormen Kosten treiben die Befürworter von Interfranken das gigantische Sondernutzungsgebiet mit einer Fläche von zunächst 77 Hektar, im Endausbau 240 Hektar voran.

Trotz Planungskosten in Millionenhöhe können die InterFranken-Lobbyisten aber bis heute weder einen schlüssigen wirtschaftlichen Nutzungsentwurf noch ein verantwortungsvolles Verkehrs konzept noch eine zukunftsorientierte Ressourcenpolitik oder ein nachhaltiges Flächenmanagement vorweisen. Das Projekt hat leider längst die sachliche Ebene verlassen und ist zu einem Prestigeobjekt des Rechthabens der hierfür politisch Verantwortlichen verkommen. Um die offensichtlichen inhaltlichen Mängel zu überdecken, werden von den Befürwortern immer hemmungsloser Verheißungen in den Raum gestellt, deren Einhaltung, wenn überhaupt, nur zu einem enorm hohen Preis erkauft werden kann.

Umgehungsstraßen, Lärmschutzmaßnahmen, Autobahnanschluss und Arbeitsplätze werden versprochen. Realistisch stehen aber Verkehrschaos und Schulden für die Bürger zu erwarten. Die Kosten sind bereits so weit aus dem Ruder gelaufen, dass es fassungslos macht, mit welchem Gleichmut die politisch Verantwortlichen weiter bereit sind, knappe Steuermittel in dieses absehbare Millionengrab zu pumpen, ohne auch nur im Ansatz Alternativen zu erwägen oder diskutieren zu wollen. Jetzt könnte man noch die Notbremse ziehen und mit einem blauen Auge aus der Angelegenheit kommen! Planungskosten und Landerwerb haben jetzt schon Millionen verschlungen. Die bereits verschwendeten Mittel sind aber Peanuts im Vergleich zu den mindestens 20 Millionen Euro, welche für den Bau der nötigen Infrastruktur benötigt werden, um das angedachte Gebiet überhaupt an den überörtlichen Verkehr anzubinden. Weitere Mittel in etwa der gleichen Höhe werden nötig sein, um die innere Erschließung des ersten Bauabschnittes mit ca. 77 Hektar zu finanzieren. Ca. 40 Mio. Euro plus x für was? Ein Sondernutzungsgebiet Logistik.

Übersetzt heißt das Schwerlastverkehr, Lärm, Dreck, wenige qualifizierte Arbeitsplätze bei hohem Flächenverbrauch. Warum sollte ein Gebiet bei uns, noch dazu mit einer langen und problematischen Verkehrsanbindung, attraktiver sein als die bereits im Umfeld brachliegenden Hunderte von Hektar Gewerbefläche mit direktem Autobahnanschluss und bereits existierenden Bahnanbindungen? Sind die Verwaltungen anderer Kommunen in der Region so viel dümmer als die InterfrankenWeisen, so dass sie ihre zum Teil weitaus verkehrsgünstigeren Gebiete nicht vermarkten können? Einzige und völlig unakzeptable Auswege wären entweder die Ansiedlung von Betrieben, die man sonst nirgends haben will oder das Angebot von Dumping-Konditionen, um Ansiedlung mit Steuergeldern zu kaufen. Das eine bedeutet bewusst betriebene Vernichtung der Umwelt und damit der Lebensqualität für die Anwohner, das andere vorsätzliche Vernichtung unserer Steuergelder ohne Hoffnung auf Rendite. Ist das Sondernutzungsgebiet InterFranken eine hochspekulative Risikoinvestition? Bleibt ein Erfolg bei realem Betrieb für das InterFranken-Konzept aus, was zu befürchten steht, so werden sich die Verantwortlichen abducken und, wie bei dem Debakel der Bayerischen Landesbank, widrige, nicht vorhersehbare Umstände geltend machen, um an ihren Ämtern kleben zu bleiben. Das gesamte Risiko liegt bei den beteiligten Gemeinden und damit beim Steuerzahler. Die Bürger der acht InterFranken-Gemeinden werden die Zeche zu bezahlen haben, durch sinkende Leistungen bei höheren Abgaben und einem sich verschlechternden Investitionsklima. Was für Arbeitsplätze werden uns hier versprochen und zu welchem Preis? Ein solches Gebiet kann - allerdings nur wenn Ansiedlungen gelingen - natürlich Arbeitsplätze bringen. Die meisten von diesen werden aber im Niedriglohnsektor Iiegen_ Mit nur einem Bruchteil der Mittel, die in diesem Prestigeprojekt versenkt werden, könnten bestehende Strukturen im Handwerk und im gewerblichen Mittelstand gestärkt und Investitionen im öffentlichen Bereich (Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten, öffentliche Infrastruktur usw_l erbracht werden. Damit würde ernsthaft die Chance für den Erhalt und die Schaffung hochwertiger, qualifizierter Ausbildungs- und Arbeitsplätze verbessert und in die Standortattraktivität investiert_ Es sind solche Arbeitsplätze, die eine Region stark und interessant machen. Wie ist das bisherige Verkehrskonzept zum InterFranken-Plan einzuschätzen? Nach eigenen Berechnungen der Befürworter würde die Umsetzung ihrer Pläne Tausende von LKWs entweder durch oder nahe an unseren Gemeinden und Ortschaften vorbei fUhren. Der Kritik, hier bewusst die Existenzgrundlage vieler Bürger zu zerstören, begegnete man von Seiten der Verantwortlichen 2009 mit unmöglichen Aussagen zum Lärmschutz, einer Planungsorgie von zum Teil absurden Umgehungsstraßen sowie der gebetsmUhlenartig vorgetragenen Hoffnung auf einen Autobahnanschluss. Die Kosten für das angedachte Verkehrskonzept sind damit explodiert, die Probleme jedoch geblieben. Gemeinden und Dörfer wie Schnelldorf, Oberampfrach, Unterampfrach, BergnerzelI, Ungetsheim, Ratzendorf, Zischendorf usw. werden nicht ernsthaft entlastet, sondern im Gegenteil teilweise noch stärker belastet. Zudem ist das Verkehrskonzept gespickt mit rechtlichen Unwägbarkeiten und geprägt von einem befremdlichen Mangel an Respekt vor der Schöpfung. Dass ein Teil der Zubringer rur das Sonder nutzungsgebiet als Umgehungsstraßen getarnt werden oder im Rahmen eines durchschaubaren Kreisstraßenneuordnungsverfahrens gebaut wer den sollen, ist ein weiterer Beweis für den Versuch, die Bürger hinters Licht zu führen sowie ungerechtfertigt Subventionen zu erhaschen. Nachdem sich die politisch Verantwortlichen konsequent einem problemorientierten Dialog verweigern, sind wir gezwungen, alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Sie widersetzen sich auch klar den Zielen der Bayerischen Staatsregierung zu einer Senkung des Flächenverbrauchs von bayernweit derzeit täglich 22 Fußballfeldern! Wirtschaftsentwicklung muss auch ohne hemmungslose Zerstörung der Schöpfung möglich sein. Wir sind dabei aber dringend auf Ihre Hilfe angewiesen.

Dr. Herbert Sirois, Bürgerforum Wörnitztal mit Zukunft.


Links zum Thema Flächensparen

Bürgerforum Wörnitztal mit Zukunft e.V
http://www.bgwmz.de

Dokumente wie Stellungnahmen und Pressemitteilungen zum Thema Flächenfrass

Stellungnahme zum Bebauungsplan „Röschenhof“

Dombühl

Stellungnahme Agil

Flächen sparen, Magazin Natur und Umwelt 

Dokumente zum Gewerbegebiet Interfranken 

Pressekonferenz zur juristischen Bewertung des Interfranken-Projekts
am 30.09.2015 (Kurzform)


Pressemitteilung des BN zum Interfranken-Urteil (03/2015)

Presseinfo des Bürgerforums zum Interfranken-Urteil (03/2015)

Pressemitteilung der Anwälte zum Interfranken-Urteil (03/2015)

Pressemitteilung der Anwälte zum Interfranken-Urteil (11/2014)

Informationen zu Sammeleinwendungen

Liste für Sammeleinwendungen 

Stellungnahme/Einwendung zum wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren für die Verlegung der Bräuning

Einwendungen und Stellungnahme als Träger öffentlicher Belange

Bund Naturschutz macht Abwägungsmängel bei Interfranken geltend