Photovoltaik

Position zu PV-Freiflächenanlagen

Der Bund Naturschutz (BN) hat erfreut registriert, dass in jüngerer Zeit wieder verstärkt Photovoltaikanlagen geplant werden. Dies, so Kreisvorsitzender Paul Beitzer, sei ein wichtiger Beitrag zur dringend notwendigen Energiewende und dem Klimaschutz. Zugleich sieht der BN mit Sorge, dass sich mancherorts dagegen nachbarschaftlicher Widerstand regt, z. B. in Schnelldorf-Oberampfrach, oder in Burk-Meierndorf und dabei auch vermeintliche Naturschutzgründe angeführt werden. Der BN nimmt die Situation zum Anlass, klar Stellung zu beziehen:

Es gibt viele Natur- und Umweltschutzgründe die für die Errichtung von PV-Freiflächenanlagen sprechen. Zwar sieht der BN nach wie vor erste Priorität für PV auf dem Dach und hofft, dass die vorhandenen Möglichkeiten hier noch stärker genutzt werden – jedes kWp ist ein Gewinn für die Umwelt. Als vor ca. 15 Jahren in einer Art „Goldgräberstimmung“ vermehrt und völlig unkoordiniert überall Freiflächenanlagen entstanden, hat sich der BN gegen diese Form gewandt, v. a. wg. der Nachteile für das Landschaftsbild. Nachdem in Folge dieser Fehlentwicklung beim EEG-Gesetz die Konsequenzen gezogen wurden und Freiflächen-PV mit Einspeisemöglichkeit nach EEG auf die vorbelasteten 110 m-Streifen an Autobahnen/Bundesstraßen und Bahnlinien begrenzt wurden und dies auch dort unter dem behördlichen Genehmigungsvorbehalt steht, trifft dieses einschränkende Gegenargument meist nicht mehr zu. Tatsächliche ökologische Ablehnungsgründe können der Biotopwert des Standortes oder andere öffentlich- rechtliche Gründe sein. Der BN tritt für eine Ausweisung geeigneter Standorte „mit ökologischen Leitplanken“ ein.

  • Das wesentliche ökologische Problem in der Feldflur ist die zunehmende intensive Bewirtschaftung durch z.T. hohe Düngergaben, Chemieeinsatz, großflächige Bewirtschaftung etc. Die Belastung der Böden und des Grundwassers mit Nährstoffen und Pestiziden ist bei dieser Art der Bewirtschaftung enorm, die einstige Artenvielfalt ist extrem zurückgegangen. Bei der Umwandlung von Agrarflächen an Verkehrsflächen zu Gunsten PV entfallen diese mit der Bewirtschaftung verbundenen Umweltbelastungen: Keine Bodenbearbeitung und die damit verbundene Nährstofffreisetzung, keine Düngerbelastung, keine Pestizidausbringung, keine Belastung durch den notwendigen Maschineneinsatz etc.
  • Hinzu kommt, dass der Biotopwert bisheriger Intensiväcker danach im Lauf der Jahre durch dann nur noch extensive Nutzung meist enorm steigt. Üblicherweise wandeln sich die Flächen in Richtung artenreichere Magerwiese mit hohem Blütenanteil und Insektenreichtum. Ob diese durch kontrollierte Schafbeweidung oder Mähnutzung erfolgt – das sollten die Gemeinden per Bebauungsplan verbindlich festsetzen. Grundvoraussetzung ist in jedem Fall das verbindlich festgesetzte Verbot von Pestizideinsatz. Davon profitieren Feld-Vogelarten wie z. B. Rebhuhn und Feldlerche etc., die in den letzten Jahren aus den vorgenannten Gründen extreme Bestandsrückgänge zu verzeichnen haben.

  • Die sockellosen Umzäunungen müssen ca. 10 – 15 cm Bodenabstand aufweisen, damit ist „Durchgängigkeit“ für nahezu alle Tierarten gegeben.

    Neben der mit der Nutzungsumwandlung von Intensiväckern zu PV-Freiflächenanlagen verbundenen erheblichen Verbesserung des Biotopwertes sind auch die energetischen Vorteile eindeutig:

  • Beim Ersatz fossiler und atomarer Energie durch regenerative Energie gehören PV und Windkraft zu den effektivsten Formen: Wenn der Energieaufwand für Herstellung und Bau sich energetisch amortisiert hat (nach ca. einem Jahr), liefern sie netto ressourcenschonende Energie aus Sonne und Wind und haben den maximal möglichen Wirkungsgrad – Sonne und Wind schicken uns keine Rechnung.

  • Deutlich schlechter sieht es bei anderen regenerativen Energieformen wie z. B. Biogas aus, bei denen ein energieverbrauchender Input in die Anlagen erfolgt und der Wirkungsgrad deshalb zwangsläufig deutlich niedriger ist. Nimmt man noch die Emissionen hinzu, die durch die Erzeugung z. B. von Silomais entstehen, fällt die Klimabilanz sogar eher negativ aus. Zudem ist die Belastung in Spitzenzeiten durch den Fahrbetrieb für direkt betroffene Anwohner enorm.

  • Nachdem PV-Anlagen geräuschlos arbeiten, und i. d. R. mit Hecken eingegrünt werden, gibt es keine nennenswerte Anwohnerbelastung. Im Übrigen muss der Eingriff durch die Betreiber auch ausgeglichen werden.

    Die dezentrale Stromerzeugung mit Hilfe der kostenlosen natürlichen Ressourcen stellt – neben der Energieeinsparung – die schonendste Möglichkeit dar. Wichtig ist dem BN bei der Projektierung von Anlagen die Bevorzugung örtlicher Betreiber und Investoren und die Möglichkeit, dass sich Bürger mit Ihrem Kapital beteiligen können und somit auch eine regionale Wertschöpfung mit ökologischem Effekt erfolgt. 


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