Streuobstaktion 2018


Streuobstannahme nach dem Grünspecht-Aufpreismodell

BN Streuobst Beitzer Altreuther
Paul Beitzer, Helmut Altreuther
Foto: C. Gaar

Mit Sorge blickt der Bund Naturschutz (BN) während der extremen Hitzeperiode auf die Streuobstbestände. Dass in einem derart ertragreichen Obstjahr wie diesem, Obstbäume um diese Zeit große Mengen Früchte abstoßen, sei ganz normal, sagt BN-Kreisvorsitzender Paul Beitzer. Die Bäume trennen sich von eher minderwertigen Früchten, um den Baum zu entlasten und weil sie solche groß Mengen ohnehin nicht mit Wasser und Nährstoffen versorgen könnten. Auch dass derzeit aufgrund Wassermangel und wochenlanger Extremhitze noch weit größere Mengen zu Boden gehen, sei für die Bäume kein Problem, sondern Entlastung, auch gegen das Auseinanderbrechen, das aufgrund immer häufigerer Sommerstürme zu einem zunehmenden Problem werde. Die Frage sei, wie viele der „Zukunftsäpfel und -birnen“ tatsächlich das Reifestadium erreichen werden. Die Extremhitze beschleunige nämlich keineswegs die Reife, ganz im Gegenteil: ab etwa 25 Grad stagniere der Reifeprozess. Er selbst messe derzeit nur etwa 40 Grad Öchsle, für einen guten Saft brauche es etwa 50 Grad. Beitzers dringlichster Wunsch für eine safthaltige Obsternte in guter Qualität und den Erhalt der Obstbäume: Baldiger Regen.

Der BN, so Kreisgeschäftsführer Helmut Altreuther, bietet deshalb zu den erwarteten wirklichen Reifezeiten, wie seit fast 30 Jahren gewohnt, an drei Orten im Landkreis wieder Streuobstannahmestellen nach dem sog. „Grünspecht-Aufpreismodell“ an, denn: „nur ausgereiftes Obst ergibt guten Saft.“

  • Schnelldorf

    • Lagerhaus Barthelmeß, Raiffeisenstraße
    • 15. September und 06. Oktober
    • jeweils von 13.00 – 17.00 Uhr

  • Rothenburg-Bettenfeld

    • SHF-Steinbruchbetriebe
    • 22. September und 13. Oktober
    • jeweils von 8.00 – 12.00 Uhr

  • Unternbibert

    • ehemaliges Raiffeisen-Lagerhaus
    • 15. September und 06. Oktober
    • jeweils von 8.00 – 12.00 Uhr

Bei den jeweils ersten Annahmen werden ausschließlich Äpfel, bei den jeweils zweiten auch Birnen angenommen.

Das Besondere am BN-Konzept ist nach den Worten von Helmut Altreuther der „Streuobst-Pflegebeitrag“ von 3,60 EURO pro Doppelzentner (dz), den die beteiligte Mosterei, mit der der BN zusammenarbeitet, zusätzlich zum Tagespreis für ungespritzte Äpfel bezahlt. Dafür, so betont Altreuther, müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, für deren Einhaltung die Anlieferer unterschreiben müssen: Das Obst muss von Hochstamm-Obstbäumen stammen, in denen in diesem Wirtschaftsjahr kein chemischer Pflanzenschutz stattgefunden hat, es darf nur trockenes, einwandfreies Obst angeliefert werden und es müssen die Flurstücks-Nummern mit Gemarkung angegeben werden, aus denen das Obst stammt. Durch diese strengen, ökologisch orientierten Kriterien hat beim Endprodukt, dem sog. Grünspecht-Apfelsaft, der Verbraucher höchstmögliche Sicherheit, ein rückstandsfrei erzeugtes Produkt zu erwerben und durch sein Konsumverhalten etwas für den Erhalt der Streuobstbestände zu tun.

Unabhängig von der Organisation der Obstannahme bietet der Bund Naturschutz Interessierten auch die Ernte von Obst in den BN-eigenen Beständen im Landkreis an. Interessenten können sich gerne unter 0981-14213 melden.

Stellvertretender BN-Kreisvorsitzender Hannes Hüttinger weist darauf hin, dass am Samstag, 13. Oktober im Stadtgebiet Ansbach ein Streuobsttag zum Abernten und anschließenden Versaften des Obstes aus öffentlichen Flächen stattfindet.

BN-Kreisgeschäftsführer Helmut Altreuther weist auf den äußerst hohen ökologischen Wert der in Franken landschaftstypischen Streuobstbestände hin. Dort findet man eine enorme Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren, insbesondere dann, wenn die Flächen extensiv genutzt würden. Ein einziger Apfelbaum, so hätten wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, könne mehr als 1.000 wirbellose Tierarten beherbergen. Je älter ein Obstbaum sei, desto höher sei auch sein ökologischer Wert. Wegen ihrer herausragenden ökologischen Substanz seien deshalb auch solche Altbäume, die keinen nennenswerten Obstertrag mehr erzielen, besonders erhaltenswert.