Biotoppflegesaison beim BN im vollen Gang

Im letzten Junidrittel hat beim Bund Naturschutz (BN) die alljährliche „Biotoppflegesaison“ begonnen. Wie Stv. BN-Kreisvorsitzender Hannes Hüttinger berichtet, stellen Feucht- und Magerwiesen unterschiedlicher Ausprägung den Löwenanteil der vom BN im ganzen Landkreis betreuten etwa 275 Hektar Biotopflächen dar, nämlich etwa 150 Hektar. Diese seien Horte der Artenvielfalt, sowohl in botanischer als auch in zoologischer Hinsicht.

BN-Mitarbeiter Mathias Luger mit dem BN-Mähgerät mit Doppelmesser-Mähwerk

Mathias Luger mit dem BN-Mähgerät

Widderchen sind häufige Blütenbesucher auf BN-Wiesen

13.08.2020

Damit dies so bleibt, müssen nach den Worten von BN-Kreisgeschäftsführer Helmut Altreuther die BN-Wiesen ein bis zweimal im Jahr gemäht und das Mähgut abgeräumt werden. Gedüngt werden die BN-Flächen ohnehin nie. Der Effekt dieser Naturschutzpflege sei Biomasse- und damit Nährstoffentzug. Umgekehrt als bei der landwirtschaftlichen Nutzung, wo ein möglichst hoher Ertrag das Ziel sei, sind das Naturschutzziel möglichst magere, nährstoffarme Flächen. Das Ergebnis sind extrem blütenreiche Wiesen mit teilweise sehr seltenen Arten. Und von diesem Blüten- und Strukturangebot während der gesamten Vegetationszeit profitieren alle Tiergruppen: Schmetterlinge, Wildbienen, Schwebfliegen und viele weitere Insektenarten finden hier ihre Nektarpflanzen, ihre Raupen Nahrungspflanzen und danach in ungemähten  oder später gemähten Bereichen Platz zum Verpuppen. Amphibien und Reptilien finden sich in großer Zahl, ebenso manche Vogelarten und Säugetiere.

Hüttinger und Altreuther verdeutlichten am Beispiel der beiden Naturschutzgebiete „Kappelwasen“ und „Heglauwasen“ zwischen Ornbau und Merkendorf. Diese betreut der BN seit fast 40 Jahren. In die Pflege sind auch örtliche Landwirte für Teilarbeiten und die Verwertung des Mähgutes eingebunden.

Die Pflegearbeiten, die zumeist BN-Mitarbeiter Mathias Luger ausführt, erfolgen mit spezieller, kleintier- und bodenschonender Technik. Die Mahd erfolgt z. B. ausschließlich mit „Doppelmesser-Mähwerk“, das sich der Bodenstruktur optimal anpasst und nur minimale Kleintierverluste verursacht. Wie zur Demonstration suchte ein halbwüchsiger Feldhase vor dem Mähgerät das Weite, im Gras waren Erdkröten, Heuschrecken, Wildbienen etc. zu beobachten. Grundsätzlich werden nicht die kompletten Flächen gemäht, es bleibt immer ein gewisser Anteil als Randstreifen oder Inseln stehen. Auch die Mahdzeitpunkte sind sehr differenziert, im Zeitraum zwischen Mitte Juni und Oktober. Keineswegs, macht Altreuther klar, geschehe dies nach dem „Zufallsgenerator“. Vielmehr liegen jeder Fläche individuelle Pflegekonzepte zugrunde, die auf Artenschutz-Gesichtspunkte besondere Rücksicht nehmen.

Bei der Biotoppflege arbeitet der BN auch mit örtlichen Landwirten zusammen, betont Altreuther: Bei etlichen Flächen werden die Arbeiten komplett oder Teile im Lohnauftrag durchgeführt, insbesondere erfolgt die Verwertung des Mähgutes, das der BN zu Rundballen presst, großteils durch extensiv wirtschaftende Weiderinderhalter. Ein Teil des Mähgutes aus dem Raum Bechhofen – Ornbau wird zu Cobs gepresst, ein geringer Teil wird in einer Biogasanlage energetisch verwertet, von manchen Flächen dient trockenes Mähgut auch als Einstreu. Gefördert werden die Arbeiten meist aus Mitteln des Bayerischen Umweltministeriums, es besteht dabei seit Jahrzehnten eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Mittelfranken bzw. bei NSGs wie dem Kappelwasen mit der Regierung von Mittelfranken als der zuständigen höheren Naturschutzbehörde.