„Gießen Sie die grünen Riesen!“

Stadtbäume machen den Klimawandel für uns Menschen erträglicher – doch auch die Grünen Riesen leiden unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit. Der Bund Naturschutz (BN) setzt auf die Hilfe der Mitbürger, die Stadtbäume vor der Haustür zu gießen und somit ihre Überlebenschancen zu erhöhen.

Baumriesen gießen

Foto: W. Horlacher

02.08.2018

Stadtbäume machen den Klimawandel für uns Menschen erträglicher – doch auch die Grünen Riesen leiden unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit. Der Bund Naturschutz (BN) setzt auf die Hilfe der Mitbürger, die Stadtbäume vor der Haustür zu gießen und somit ihre Überlebenschancen zu erhöhen. „Die anhaltende Hitze mit Temperaturen bis zu 37 Grad machen vielen Bürgern sehr zu schaffen, auch nachts kühlen sich die Häuser und Wohnungen nur wenig ab. Wohl dem der da Schatten spendende Bäume um sich hat“ sagt Hannes Hüttinger, stellvertretender BN-Kreisvorsitzender. „Doch auch die Bäume leiden und lassen in der sengenden Mittagshitze ihre Blätter hängen.

Die Ansbacher Landschaftsarchitektin Susanne Wolf verdeutlicht: Städte sind für Bäume heutzutage ein Extremstandort. Stadtbäume haben häufig einen sehr eingeschränkten Wurzelraum. In den meisten Fällen ist die Baumscheibe nur wenige Quadratmeter klein, sie wird links durch den Gehweg, rechts durch die Straße und hinten und vorne durch Parkplätze begrenzt und von Randsteinen aus Beton eingefasst. Ver- und Entsorgungsleitungen im Boden unter den Bäumen und hohe Bodenverdichtung verhindern das Vordringen der Baumwurzeln bis zum natürlich gewachsenen Boden und zum Grundwasser. Wenn die Baumscheibe austrocknet, leiden die Bäume sehr, und auch kurzzeitige Starkregenereignisse bringen kaum Erholung. Das meiste Wasser fließt in den Städten über die Kanalisation ab und steht den Bäumen nicht mehr zur Verfügung. Zusätzliche Belastungen für Stadtbäume sind: Abstrahlung von Glasfassaden, aufgeheiztem Beton und Asphalt, Abgase, schlechter Baumschnitt, häufige Verletzungen durch Bauarbeiten und auch der Einsatz von Streusalz macht sich jetzt bei den Bäumen bemerkbar, indem die Blätter vom Rand her vertrocknen. Unter diesen sogenannten Blattrandnekrosen leiden vor allem Ahorn, Linden und Kastanienbäume. Der Bund Naturschutz ruft Anwohner deshalb dazu auf, öffentliche Bäume in Eigeninitiative zu gießen. Es sollte aber immer eine Absprache mit der jeweiligen Gemeinde erfolgen. Diese, so Hüttinger, würden häufig zwar durchaus selbst und zuständigerweise aktiv, können es aber alleine meist nicht schaffen. Hilfreich können in manchen Fällen auch „Wassersäcke“ sein, wie sie die Stadt Ansbach in manchen Fällen einsetzt.

Zur Dimension stellt BN-Kreisgeschäftsführer Helmut Altreuther klar: „Wir reden hier von hundert und mehr Litern pro Gießvorgang. Ein weitergehender Schritt, den der BN sehr empfehle, seien Baumpatenschaften auf Ortsebene, weil dadurch insgesamt eine geregelte Betreuung und zugleich Einbindung der Anwohner an „ihren“ Baum erfolge. 

Oliver Rühl vom BN-Arbeitskreis „Energie und Klimaschutz“ weist auf die erhebliche Bedeutung von Bäumen im Ortsbereich für den Klimaschutz hin: „Die Sommermonate waren in den letzten Jahren gekennzeichnet von immer neuen Hitzerekorden. Studien prognostizierten bis zum Ende des Jahrhunderts eine rapide Zunahme der Hitzetage mit Tagestemperaturen über 30° C und auch die Zahl der Tropennächte, in denen es nicht unter 20° C abkühlt, steigt an, was bei vielen Personen zu einer fehlenden Regeneration in der Nacht führen kann“. Innerorts verschlechtert die hohe Wärmespeicherfähigkeit von Beton und Asphalt und der hohe Versiegelungsgrad die Situation zusätzlich und führt zu einer Stauung der Hitze. So ist es in Städten immer bis zu 5 Grad wärmer als im unbebauten Umland. Grünflächen spielen daher für die Klimatisierung einer Stadt eine sehr wichtige Rolle. Bäume haben den größten Einfluss auf das urbane Mikroklima, sie kühlen durch Verdunstung und verschatten Höfe, Straßen und Plätze. Außerdem sind sie für den Erhalt der Biodiversität von größter Bedeutung. Ein ausgewachsener Laubbaum verdunstet an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser und kühlt somit seine Umgebung ab. Außerdem sind sie effektive Schattenspender: Mit gerade einmal 15 m Kronendurchmesser schafft es ein einziger Laubbaum, eine Fläche von 160 m² mit seinem Schatten zu kühlen. Vor diesem Hintergrund ist es umso dramatischer, dass in vielen Städten und Gemeinden jedes Jahr eine große Zahl an Bäumen unwiederbringlich abgeholzt werden – sowohl auf öffentlichen als auch auf privaten Flächen. Einen naturschutzrechtlichen  Schutz der Bäume der Bäume gebe es nicht. Im Landkreis Ansbach hat keine einzige Gemeinde eine Baumschutzverordnung erlassen.

Auf Landesebene bietet der Bund Naturschutz angesichts der aktuellen Extremsituation für ratsuchende Bürger von Montag  bis Donnerstag, jeweils von 9.00 bis 13.00 Uhr einen kostenfreien Telefonservice unter 0800 / 78 23 822) an. Weitere Möglichkeiten bestehen auch unter der Email-Adresse stadtbaum@bund-naturschutz.de. Sowie auf der BN-Webseite www.bund-naturschutz.de/stadtbaum.