Helfer gesucht - Größte Artenschutzaktion im Landkreis

Über die Informationsveranstaltung der BN Kreisgruppe Ansbach zum Thema Amphibien

05.03.2018

„Nach dem Insektensterben droht großflächig auch ein Amphibiensterben, weil diese mit der meistens immer intensiver werdenden Landbewirtschaftung häufig nicht mehr zurechtkommen. Dies betrifft nicht nur direkte Verluste z. B. durch den Einsatz von  Kreiselmähwerken, sondern auch durch die Verschlechterung ihrer Nahrungsgrundlage. Indirekt wirkt sich das Insektensterben auch auf Amphibienpopulationen aus, weil diese die wichtigste Nahrungsgrundlage für Kröten, Frösche und Molche darstellen“. Diese pessimistische Aussage stellte Helmut Altreuther, Kreisgeschäftsführer des Bund Naturschutz (BN) an den Anfang einer Informationsveranstaltung des BN aus Anlass der demnächst beginnenden Laichwanderung dieser „für den Naturhaushalt äußerst wichtigen Artengruppe“.

Extreme Verluste würden Amphibien auch auf ihrer Frühjahrswanderung zum Laichgewässer erleiden, wenn dieses durch eine stark befahrene Straße von ihrem Winter-Unterschlupf getrennt sei. Um das zu verhindern, engagieren sich unter Koordination des BN seit 1985 viele Naturfreunde ehrenamtlich jedes Jahr etwa vier Wochen lang täglich, um diesem Massensterben Einhalt zu gebieten. Die BN-Kreisgruppe Ansbach leistete nach Altreuthers Worten im vergangenen Frühjahr dank des Einsatzes von etwa 120 Helfern Bahnbrechendes: Es wurden 41 besonders gefährdete Straßenabschnitte betreut – so viel nirgends sonst in Bayern – und dabei über 51.000 laichwillige Tiere vor dem möglichen Tod unter dem Autoreifen gerettet. Es handelt sich dabei um die mit Abstand größte und erfolgreichste Artenschutzaktion in Stadt und Landkreis Ansbach. Erdkröten stehen bei den einzelnen Arten mit über 38.000 registrierten Exemplaren an der Spitze, es seien aber auch seltene Arten mit höheren Lebensraumansprüchen wie z. B. Kammmolch oder Knoblauchkröte dabei. Neben der konkreten Rettung werden dabei auch die Arten bestimmt und zahlenmäßig registriert, deshalb verfüge man über Jahrzehnte lange Daten zur Populationsentwicklung. Altreuther stellte auch klar, diese Betreuung keine Naturschutz-Daueraufgabe sein könne: Der BN fordert als dauerhafte Lösung den Einbau sogenannter „Leiteinrichtungen“ mit Tunnel-Querungshilfen. Diese wirken ganzjährig und beidseitig und dienen sämtlichen Kleintieren. Die Stadt Ansbach sei hier am Scheerweiher vor vielen Jahren beispielgebend vorangegangen, jetzt bestehe aber Sanierungsbedarf. Eine weitere viel zu wenig angewandte Möglichkeit bei untergeordneten Straßen sei die kurzzeitige Sperrung an den wenigen zahlenstarken „Wandertagen“.

Altreuther informierte auch über Biologie und Lebensweise der heimischen Amphibienarten und zeigte zusammen mit aktiven Artenkennern auch die Unterscheidungsmerkmale zwischen den Arten auf. Der BN leiste im Landkreis mit seinen erworbenen Biotopflächen, mit der differenzierten Biotoppflege und der Biotopgestaltung wie z. B. Tümpelanlage einen herausragenden Beitrag zum Amphibienschutz.

Steffen Schleip und Norbert Strauß vom Staatlichen Bauamt stellten angedachte Änderungen der Beschilderungen an den betreffenden Straßenabschnitten vor. Diese verkehrlichen Beschränkungen dienten im Wesentlichen dem Schutz der Betreuer. Nach lebhafter Diskussion wurde vereinbart, dass die Straßenmeistereien  einzelfallweise Änderungsvorschläge erstellen und diese dann direkt mit den Aktiven besprochen werden.

Für die aktuelle Betreuung sucht der BN weitere ehrenamtliche Helfer. Am dringendsten bestehe Bedarf in Petersaurach, wo dem BN ein besonders verlustreicher Straßenabschnitt gemeldet wurde, man aber noch „blank“ dastehe.